Wissenschaftler erforschen pflanzliche Wirkstoffe gegen Krankheiten

RWTH Aachen: Die Natur hat viele Lösungen entwickelt, die sich der Mensch zunutze machen kann. Sofern er sie erkennt und es schafft, die Strategie zu kopieren und auf größere Maßstäbe zu transferieren. Knoblauch ist zum Beispiel so ein natürliches Multitalent, dessen Potenziale die Wissenschaft in mehrfacher Hinsicht interessiert.

So hat sich Univ.-Prof. Dr. Alan Slusarenko darauf spezialisiert, die gesundheitsfördernde Wirkung von Knoblauch zu analysieren. Der Pflanzenphysiologe und Leiter des Instituts Biologie III der RWTH Aachen erforscht die Möglichkeiten, das vom Knoblauch produzierte Allicin bei der Behandlung von erkrankten Nutzpflanzen einzusetzen. Allicin hat beispielsweise antibiotische Wirkung. Es entsteht, wenn Knoblauchzehen verletzt werden, da sich erst dann aus den Zellen das entsprechende Substrat und Enzym mischen können, wodurch auch der typische Geruch des Knoblauchs freigesetzt wird. Allicin ist eine so genannte „redox-aktive Substanz“, die das empfindliche Redox-Gleichgewicht der Zelle beeinflusst und einen Selbstschutz gegen Oxidationsstress aktivieren kann. Der Wirkung dieser Antioxidantien haben beispielsweise auch Rotwein und Preiselbeersaft ihren gesundheitsfördernden Ruf zu verdanken.

Im Rahmen des Netzwerks „RedCat“ will Prof. Slusarenko auf der Ebene von Grundlagen- und angewandter Forschung Allicin und verwandte Naturstoffe sowie synthetische Wirkstoffe, die Redox-Katalysen, erforschen. Dabei nehmen die Wissenschaftler zelluläre und molekulare Wirkungsmechanismen dieser Substanzen unter die Lupe. Eine Übertragung der Ergebnisse auf industrielle Maßstäbe und die Herstellung eines für den biologischen Landbau geeigneten Pflanzenschutzmittels ist ein weiteres Ziel.

Das Netzwerk „RedCat“ wurde von zehn Partnern aus Wissenschaft und Industrie ins Leben gerufen. Der Verbund, zu dem unter anderem außer der RWTH noch die Universität des Saarlandes, das Deutsche Krebszentrum sowie Industriepartner gehören, will im interdisziplinären Austausch das Potenzial von redox-aktiven Pflanzenstoffen bei der Behandlung von Krankheiten bei Menschen und Nutzpflanzen erforschen. „RedCat“ wird von der EU in den kommenden vier Jahren mit rund 2,8 Millionen Euro gefördert und übernimmt als Training Network zudem die Ausbildung junger Wissenschaftler. Prof. Slusarenko sichtet gerade die Bewerbungen für die Besetzung von zwei Doktoranden- und einer Postdoc-Stelle. Auflage ist dabei, dass die jungen Wissenschaftler aus dem Ausland kommen und über eine überdurchschnittliche fachliche Eignung verfügen. Das Konzept sieht außerdem vor, dass die Kandidaten einen Teil ihrer Trainings-Zeit bei anderen Partnern verbringen. Die Gruppe von insgesamt zehn Doktoranden und vier Postdocs wird zudem Fortbildungen zu Themen wie Kommunikation, Wissenschaft und Gesellschaft oder Projektmanagement erhalten. Das Programm legt großen Wert auf Mobilität sowie interdisziplinären und interkulturellen Austausch und ist mit dem Titel „Fit for Europe“ überschrieben.

Pressemitteilung der RWTH Aachen



© www.hochschulnachrichten.com    c.kexel

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