Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft: Am Freitag, 9. Oktober 2009, lädt die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Karlsruhe um 18.15 Uhr zum einstündigen Vortrag „Finanzmärkte und Realwirtschaft in der Wirtschaftskrise 1929 – 1933 und in Keynes ‘General Theory’“ von Jürgen Kromphardt, TU Berlin, im Atrium des Gebäudes K der Hochschule Karlsruhe, Moltkestr. 30 (Zugang über Bismarckstr.), ein. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.
Aufgrund der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise fällt der Blick von Fachwelt und Öffentlichkeit schnell auf die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre. Als Auslöser für diese gilt allgemein der große Börsencrash am 24.10.1929 in den USA, der als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte einging. Die weiteren Folgen waren weltweite Kursrückgänge an den Börsen. Auch die heutige Weltwirtschaftskrise wurde durch eine globale Finanzkrise ausgelöst, als deren Anfang häufig der Konkurs der amerikanischen Bank „Lehman Brothers“ genannt wird.
Der britische Ökonom John Maynard Keynes (1883 - 1946) schrieb seine „General Theory“ unter dem Eindruck der damaligen Wirtschaftskrise. So wäre eigentlich zu erwarten, dass die Finanzmärkte in seiner Analyse eine zentrale Rolle spielen – dem ist aber nicht so. Vielmehr finden sich dort nur einige Bemerkungen über das Wesen der Spekulation und über Vor- und Nachteile bestimmter Regulierungen im Börsenzugang. Die Bankkonkurse, die in den Beschreibungen der Weltwirtschaftskrise eine große Rolle spielen, finden bei ihm keine Erwähnung.
Prof. Dr. Jürgen Kromphardt geht in seinem Vortrag der Frage nach, weshalb sich Keynes auf die Realwirtschaft konzentriert und den Bankensektor völlig ausblendet. Dazu wird er mit den Anwesenden zwei Thesen diskutieren:
1. Es kann sein, dass die spektakulären Ereignisse bei Börsen und Banken nur eine verstärkende Begleiterscheinung und somit eher Folge als eigentliche Ursache der Krise sind.
2. Keynes wollte in seinem Werk nicht diese spezielle Krise erklären, sondern eine allgemeingültige Theorie entwickeln und damit ein Instrumentarium liefern, um das Niveau von Produktion und Beschäftigung generell, also in allen Konjunkturlagen und somit auch in Krisen, zu erklären. So könnte seine „General Theory“ die Grundlage bieten, in konkreten wirtschaftlichen Situationen theoretisch fundierte wirtschaftspolitische Ratschläge zu erteilen.
Der öffentliche Vortrag ist Programmbestandteil der Fachtagung „Keynes 2.0 – Perspektiven einer modernen keynesianischen Wirtschaftstheorie und -politik“, die vom 9. - 11.10.2009 an der Hochschule Karlsruhe stattfindet.
Pressemitteilung der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft