Universität Augsburg:
Wie in anderen Industrien wird auch im Mobilfunk an der zunehmenden Fragmentierung der Wertschöpfungskette die Reifung des Marktes erkennbar. Die derzeitige und zukünftige Entwicklung von MVNO/MVNE-Modellen war eines der Themen, mit der sich Ende Januar die von der Augsburger Forschungsgruppe wi-mobile zum neunten Mal und erstmals in Berlin veranstaltete Konferenz Mobile Communications - Technologien und Anwendungen (MCTA 2009) befasste.
Mobilfunkangebote sind längst nicht mehr an den eigenen Betrieb eines Mobilfunknetzes gekoppelt, sondern stammen häufig von virtuellen Mobilfunkbetreibern (MVNO), etwa Supermarktketten, Banken, Zeitungen oder TV-Sendern. In Deutschland existieren inzwischen über 100 Mobilfunkmarken. Dies kann als Anzeichen für die zunehmende Reifung des Marktes betrachtet werden. Bis auf die vier Mobilfunknetzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 betreiben die Anbieter jedoch allesamt kein eigenes Mobilfunknetz, sondern agieren als so genannte virtuelle Mobilfunkanbieter oder MVNO. Nach dem Start von Tchibo im Jahr 2004 folgten rasch zahlreiche weitere Marken, für 2010 wird von Experten ein MVNO-Marktanteil von 25 Prozent prognostiziert. MVNE: Enabling von Mobilfunkmarken als Geschäftsmodell Die Masse der Mobilfunkanbieter realisiert jedoch nur einen kleinen Teil des Angebotes selbst, etwa indem eine bekannte Marke genutzt wird, um dem Kunden neben einem andersartigen Kerngeschäft auch Mobilfunkleistungen anzubieten.
Die Lücke zwischen dieser Marke und dem
Mobilfunknetzbetreiber wird dann häufig von Enablern für virtuelle
Mobilfunkbetreiber, den MVNE, geschlossen. Auf der 9. Konferenz Mobile
Communications - Technologien und Anwendungen (MCTA 2009) diskutierten
zu diesem Thema Helmut an de Meulen, CEO der Materna Information &
Communication und Gründer des ersten deutschen MVNE vistream, Per
Angmann, Inhaber und CEO des MVNE Telogic, der in sechs europäischen
Ländern und den USA tätig ist, und Thorsten Gill, Head of Product
Marketing der moconta GmbH, einem Joint Venture zwischen Vodafone und
Bertelsmann, das zahlreiche MVNO realisiert. Geleitet wurde die Session
von der IT- und TK-Expertin Dr. Beate Rickert, Geschäftsführerin der KPR
Capital GmbH, Frankfurt.
Wie die Session zu IMS (siehe
http://idw-online.de/pages/de/news300008) hatte Rickert auch diesen Teil
der Konferenz MCTA in Zusammenarbeit mit der Augsburger Forschungsgruppe
wi-mobile ins Leben gerufen.
KMU und Kleinstunternehmen als Zielgruppe vernachlässigt
Nachdem sich das Preisniveau für mobile Telefonie, SMS und allmählich
auch für Datennutzung auf einem stabilen niedrigen Niveau eingependelt
hat und nahezu alle großen Retail-Brands bereits Mobilfunkprodukte
anbieten, fokussieren sich die MVNEs gegenwärtig auf Communities, denen
mittels eines mobilen Portals eine Kommunikationsplattform geboten wird.
Jüngste Beispiele hierfür sind Spreefone und Kulturkirche, die von
moconta enabled wurden. Trotz der hohen Wettbewerbsintensität um diese
Communities und den Consumer-Markt generell, hat bislang keiner der im
Markt tätigen MVNEs einen auf den Geschäftskundenmarkt fokussierten MVNO
gelauncht. "Das Segment der großen 'Corporates' wird auch langfristig
eine Domäne der Mobilfunknetzbetreiber bleiben, die kleinen und
mittleren Unternehmen, ebenso wie Kleinstunternehmen - Small Office bzw.
Home Office - stellen jedoch aufgrund hoher Umsätze pro Nutzer eine sehr
interessante Zielgruppe für MVNOs dar, die in Deutschland bislang
vernachlässigt wurde", so KPR Capital-Geschäftsführerin Rickert.
Bei Machine-to-Machine-Anwendungen müssen die Geschäftsprozesse im
Vordergrund stehen
"Stattdessen stürzen sich alle gleichermaßen mit hohen Erwartungen auf
den Machine-to-Machine (M2M)-Markt und insbesondere auf das Thema 'Smart
Metering', die telemetrische Erhebung etwa von Verbrauchsdaten", meint
Rickert weiter und verweist auf ein wesentliches Problem, das dabei oft
entsteht: "Bei M2M-Anwendungen ist allerdings zu berücksichtigen, dass
es immer um die Optimierung von Geschäftsprozessen geht, bei der
SIM-Karten alleine nicht zu einer Bedürfnisbefriedigung des Kunden
führen werden."
Konferenz MCTA 2010
Eine Auflistung der derzeit in Deutschland aktiven Mobilfunkmarken und
der dahinter stehenden Leistungserbringer ist als Whitepaper der
Forschungsgruppe wi-mobile verfügbar. Die Ausdifferenzierung des
Mobilfunkmarktes ebenso wie mobile Geschäftsprozesse und M2M werden auch
Thema der 10. Konferenz MCTA wieder Themen sein, die am 1. und 2.
Februar 2010 wieder in Berlin stattfinden wird. Weitere Informationen
werden zeitgerecht unter http://www.mcta.de verfügbar sein.
Pressemitteilung der Universität Augsburg