Philipps-Universität Marburg: Chemie ist Leben: Die Entstehung der Organismen aus unbelebter Materie ist das Thema des Studium Generale am kommenden Mittwoch, dem 13. Mai 2009. Wie sahen die ersten Lebewesen auf unserer Erde aus? Der Münchner Chemiker Professor Dr. Günter Wächtershäuser spricht in seinem Vortrag über „Ursprung und frühe Evolution des Lebens in einer vulkanischen Eisen-Schwefel-Welt“, so der Titel des Referats.
Das Antlitz unserer Erde hat sich stark gewandelt seit der Zeit, als sie von so genannten Pionierorganismen bevölkert war. Neue, komplexere Lebewesen haben die Urformen der Tiere und Pflanzen verdrängt. Die Chemie kann die Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur beschreiben. Die Theorie der „chemo-autotrophen Entstehung des Lebens“ postuliert einen primitiven Pionierorganismus, der sich einerseits drastisch von heutigen Lebensformen unterscheidet, in dem aber andererseits entscheidende Ansätze einer Höherentwicklung bereits angelegt sind.
Die Enzyme heutiger Organismen gingen nach modernem Verständnis aus Eisen-, Nickel- und anderen Übergangsmetall-Zentren hervor, die in der Urwelt zusammen mit schwefelhaltigen Bindungspartnern als Katalysatoren, als Reaktionsbeschleuniger wirkten. Die entstandenen organischen Produkte banden wiederum an die katalytischen Metallzentren und verstärken dadurch deren Aktivität: Der chemische Beginn einer sich selbst regulierenden organischen Evolution.
Das Studium Generale verknüpft mit dem Vortrag von Günter Wächtershäuser das Jubiläum der Marburger Anfänge von Chemie und Pharmazie vor 400 Jahren thematisch mit dem Darwinjahr. Wächtershäuser studierte Chemie an der Philipps-Universität, wo er 1965 promoviert wurde. Nach einem Auslandsaufenthalt in den USA gründete er in München eine Kanzlei als Patentanwalt. Er ist Honorarprofessor der Universität Regensburg und hat sich durch originelle Beiträge zu den fundamentalen Bedingungen der Lebensentstehung einen Namen gemacht.
Weitere Informationen:
Das Studium Generale findet jeweils mittwochs ab 19.30 Uhr im Auditorium Maximum, Hörsaalgebäude, Biegenstraße 14, statt. Das vollständige Programm ist online abrufbar: www.uni-marburg.de/aktuelles/Generale.
Pressemitteilung der Philipps-Universität Marburg