Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Ein Paper von Wissenschaftlern der Universität Bonn hat eine
außerordentliche Würdigung erfahren: Die Publikation wurde von der
renommierten "Faculty of 1000" besprochen. Dieser Zusammenschluss von
mehr als 2.000 führenden Forschern aus aller Welt identifiziert
regelmäßig die interessantesten Studien aus der Biologie. Jeden Monat
werden acht davon ausführlich vorgestellt. In dem Bonner Paper geht es
um die Bewegung eines wichtigen Informationsträgers im Zellkern, der so
genannten Boten-RNA. Den Forschern ist es erstmals gelungen, diese
Bewegung mit einer Hochgeschwindigkeits-Kamera in Echtzeit zu filmen.
Dabei haben sie einige interessante Entdeckungen gemacht.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses
lagert bei höheren Organismen sicher verpackt im Zellkern. Dort stellt
eine Art Kopierer rund um die Uhr Abschriften der Informationen her,
die gerade benötigt werden. Diese Kopien bestehen aus Boten-RNA. Sie
wandern zur Hülle des Zellkernes und von dort durch die Kernporen in
das Zytoplasma der Zellen.
Was auf dem Weg vom Kopierer zu den Poren genau passiert, ist bislang
unklar. Die Forscher um Professor Dr. Ulrich Kubitscheck vom Bonner
Institut für Physikalische und Theoretische Chemie haben nun ein wenig
Licht ins Dunkel gebracht: Sie haben Boten-RNA so behandelt, dass sie
bei Bestrahlung mit Laserlicht farbig aufleuchtete. So konnten sie den
Weg von einzelnen Molekülen der Erbgut-Abschriften durch ein
Lichtmikroskop mit einer Art Hochgeschwindigkeitskamera verfolgen.
"Dabei haben wir entdeckt, dass die Boten-RNA nicht immer gleich
schnell vorankommt", erklärt Kubitscheck. "Zwischenzeitlich wird sie
immer wieder auf weniger als ein hundertstel ihrer normalen
Geschwindigkeit abgebremst." Es muss also eine Art "Bremsklotz" geben,
der die Boten-RNA aufhält. Erstaunlicherweise verlangsamte sich die
Bewegung aber auch in Bereichen des Zellkerns, die im Lichtmikroskop
scheinbar "leer" waren. "Für unsere Beobachtung scheinen also
submikroskopische Strukturen verantwortlich zu sein."
Die Studie entkräftet zudem die These, dass es im Zellkern spezielle
Transporter gibt, die die Erbgut-Abschriften zu den Kernporen bringen.
"Die Wanderung erfolgt durch Diffusion, also die Eigenbewegung der
Boten-RNA", betont Kubitscheck. "Das zeigen unsere
Geschwindigkeits-Messungen." Vielleicht gibt es aber im Zellkern
Strukturen, die der Boten-RNA den Weg weisen. Ob es solche Strukturen
gebe oder nicht, sei von fundamentalem Interesse, schreiben die Autoren
des "Faculty of 1000-Reports". Der Ansatz von Kubitscheck und seinen
Kollegen bringe die Analyse einen wichtigen Schritt voran. Eine
Verbesserung der Methode lasse für die Zukunft noch weitere Einsichten
erwarten.
Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn