Ludwig-Maximilians-Universität München: "Innovationen in der Nanomedizin - Eine Analyse der Wissens- und Technikgenese interdisziplinärer Forschungspraxis".
Kleinste Strukturen von nur wenigen Millionstel Millimetern Größe, die im menschlichen Organismus nach Krankheitserregern und Krebszellen suchen - und mit Wirkstoffen gezielt vernichten. Nanoroboter, die gefährliche Ablagerungen in Blutgefäßen entfernen.
Was sich wie Science Fiction anhört, könnte zur
Realität werden. Die Nanotechnologie ist eine, wenn nicht sogar die
wichtigste Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts und wird viele
menschliche Lebensbereiche von Grund auf verändern. Doch diese technische
Revolution entfaltet sich weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Noch
ist zu wenig darüber bekannt, ob und wie sich Informationen zu
nanomedizinischen Innovationen verbreiten, und wie unterschiedliche Bereiche
der Gesellschaft darauf reagieren.
Michael Schillmeier, Ph. D., vom Institut für Soziologie der
Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, wird sich deshalb in den
nächsten fünf Jahren diesem Thema widmen. Möglich macht dies ein
Schumpeter-Fellowship von der VolkswagenStiftung. Als Schumpeter-Fellow wird
Michael Schillmeier den Aufbau einer Nachwuchsgruppe leiten. Die Fördersumme
für sein Projekt "Innovationen in der Nanomedizin - Eine Analyse der Wissens-
und Technikgenese interdisziplinärer Forschungspraxis" beträgt 535.000 Euro.
Das Projekt beinhaltet drei Schwerpunkte: Michael Schillmeier wird die
Forschung ausgewählter Labors mehrere Monate lang begleiten, um so die dort
ablaufenden Vermittlungs- und Übersetzungsprozesse nanowissenschaftlicher
Praxis beschreiben zu können. Zudem wird er untersuchen, wie
nanomedizinisches Wissen aus dem Labor in die Gesellschaft gelangt und diese
verändert: Wie reagieren Gesundheitswesen, Politik, Ethik und Ökonomie auf
die Innovationen? Verändern sie die medizinische Praxis? Wer profitiert vom
Nano-Fortschritt und wer wird ausgeschlossen? Mit Hilfe von
Experteninterviews, Diskurs- und Praxisanalysen will Michael Schillmeier
Antworten auf diese Fragen finden. Neue Erkenntnisse möchte er dann im Rahmen
von transdisziplinär ausgerichteten Workshops, in Fokusgruppen und über
internetbasierte Foren zur Diskussion stellen.
Mit den Schumpeter-Fellowships - benannt nach Joseph Alois Schumpeter, einem
der renommiertesten Nationalökonomen des 20. Jahrhunderts - werden exzellente
Nachwuchswissenschaftler aus den Bereichen Wirtschafts-, Sozial- und
Rechtswissenschaften unterstützt, die einzeln oder in kleinen Gruppen mit
ihren Projekten Neuland erschließen.
Pressemitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität München