Der Rektor der Universität Bonn sieht den Staat in der Pflicht, rasch
Mittel für die Sanierung der Hochschulen bereitzustellen. Der Bau- und
Sanierungsbedarf belaufe sich allein an der Uni Bonn mit ihren rund 350
Gebäuden auf rund 300 Millionen Euro - die Folge einer jahrzehntelangen
Unterfinanzierung.
Mit der Finanz- und Wirtschaftkrise eröffnet sich den Hochschulen jetzt
eine Chance auf Besserung - dank der Konjunkturpakete, die derzeit von
Bund und Ländern geschnürt werden. "Jeder Euro, den der Staat jetzt in
die Sanierung der Universitäten stecken, ist gut angelegt", sagt Rektor
Professor Dr. Matthias Winiger an die Adresse der Politik. "Eine
bessere Rendite für unser Steuergeld werden Sie kaum finden."
Jüngst hatte sich an der Universität Bonn eine hitzige Debatte um die
Sanierung der Toilettenanlagen im Hauptgebäude und im Juridicum
gegeben. Da reguläre Haushaltsmittel für die über 500.000 Euro teure
Maßnahme nicht zur Verfügung stehen, war zunächst eine Finanzierung aus
Studienbeiträgen oder die Übernahme der WCs durch einen externen
Betreiber diskutiert worden. Das Toilettenproblem sei nur ein Symptom
für einen Sanierungsstau größten Ausmaßes. An vielen Stellen in der
Universität tropft es, klaffen Risse, geht Energie durch fehlende
Isolation verloren.
Gemessen am Bedarf steht der Universität Bonn jährlich nur ein
vergleichsweise kleiner Betrag für Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung.
Dieser Etat reicht nur für Maßnahmen von höchster Dringlichkeit - etwa
zur Abwendung von Gefahren für Menschen und wertvolles
wissenschaftliches Gerät. Diesem "Tropfen auf den heißen Stein" steht
eine lange Liste von Sanierungsfällen gegenüber: Neben der Herrichtung
des historischen Hauptgebäudes strebt die Universität den Bau von
mehreren Ausweichquartieren für Fachbereiche an, die in hochgradig
sanierungsbedürftigen Gebäuden untergebracht sind. Im Stadtteil
Poppelsdorf soll darüber hinaus in naher Zukunft ein neues
Hörsaalgebäude entstehen, weitere Bauten sollen folgen. Auch stehen
zahlreiche denkmalgeschützte Institutsgebäude zur Sanierung an.
Das Rektorat hofft auf eine substantielle Unterstützung im Rahmen des Hochschulmodernisierungsprogramms
des Landes Nordrhein-Westfalen und des Konjunkturprogramms der
Bundesregierung. "Wir sind derzeit mit dem zuständigen Ministerium in
Kontakt", sagt Rektor Winiger.
Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn