Qualität in der Kindertagesstätte - IAQ-Wissenschaftlerinnen fordern Standards

Universität Duisburg-Essen: Qualitätsmanagement in der KiTa wird angesichts steigender Anforderungen – von flexiblen und längeren Öffnungszeiten über Familiendienste bis zum Bildungsauftrag – immer wichtiger. Inzwischen gibt es viele Konzepte für gute pädagogische Arbeit. „Vielfalt ist gut, aber sie darf nicht gleichbedeutend sein mit einer Beliebigkeit in der Gestaltung von Betreuung, Bildung und Erziehung“, warnen Wissenschaftlerinnen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Sie fordern in ihrem neuen Buch eine öffentliche Qualitätspolitik, die Mindeststandards für die Kindertagesbetreuung festlegt.

Im soeben erschienenen „Qualitätsmanagement in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung“ zeigen Karin Altgeld und Dr. Sybille Stöbe-Blossey Perspektiven für eine öffentliche Qualitätspolitik auf. Zahlreiche Träger und Einrichtungen bundesweit haben in den letzten Jahren Qualitätsverbesserungen eingeleitet. Diese Initiativen reichen nach Einschätzung der IAQ-Wissenschaftlerinnen aber nicht aus: „Höhere Qualität kann Kosten verursachen, führt aber nicht automatisch zu erhöhter Zahlungsbereitschaft oder -fähigkeit der Eltern.“ Mehr Transparenz sei nötig, damit Familien die verschiedenen Angebote anhand bestimmter Kriterien vergleichen und auswählen können.

Die Forscherinnen schlagen deshalb ein auf allgemein gültigen Standards basierendes, flächendeckendes Akkreditierungsverfahren für alle Träger und Einrichtungen vor. Es sollte einfach und übersichtlich strukturiert sein, um den notwendigen organisatorischen und finanziellen Aufwand möglichst gering zu halten. Bei zusätzlichen Aufgaben, etwa familienbezogenen Diensten wie im Familienzentrum NRW, könnte die Anerkennung mit einer finanziellen Förderung verknüpft werden. Um bundeseinheitliche Standards zu entwickeln, sollten die einzelnen Bundesländer ihre Initiativen abstimmen und gemeinsam vorgehen – eine Lösung, die in der Praxis des bundesdeutschen Föderalismus „nicht einfach“ zu realisieren sein wird, wie die Expertinnen von der IAQ-Forschungsabteilung Bildung und Erziehung im Strukturwandel einräumen.

Der Sammelband stellt verschiedene Konzepte der Qualitätsentwicklung und -sicherung in deutschen Kindertageseinrichtungen vor und wirft einen Blick über den Tellerrand auf internationale Beispiele in Luxemburg, England, Belgien, USA und Schweden. Fachkräfte der sozialen Arbeit in Ländern und Kommunen, Erzieher und Pädagogen in Kindergärten, Tageseinrichtungen und Schulen, Fachinteressierte aus Wissenschaft und Politik finden hier vielfältige Beispiele bester Praxis und Anstöße für die Diskussion über eine öffentliche Qualitätspolitik.

Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen



© www.hochschulnachrichten.com    c.kexel

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