Neubau des E.ON Energy Research Centers der RWTH Aachen

RWTH Aachen: „Wir sind auf einem sehr guten Weg: Zwei von drei Gebäuden des E.ON Energy Research Centers sind fertig, endlich sind wir alle unter einem Dach vereinigt. Die ohnehin schon gute Zusammenarbeit der fünf beteiligten Lehrstühle aus vier Fakultäten der RWTH Aachen wird jetzt, da wir uns fast täglich sehen, noch viel enger und produktiver werden.“ Professor Rik W. De Doncker, Gründungsdirektor des noch jungen Energieforschungszentrums, bringt die Sache anlässlich der offiziellen Schlüsselübergabe für das neue Bürogebäude auf den Punkt. War es doch eine der Grundideen dieser Public Private Partnership, die entscheidenden Säulen der Energieforschung hier an der RWTH auch räumlich zusammenzubringen. Vor wenigen Tagen haben die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller beteiligten Institute ihre Büros, Rechner- und Seminarräume im neuen Modulgebäude an der Mathieustraße auf dem RWTH Campus Melaten bezogen.

Rekordverdächtig: Planung und Bau in wenigen Monaten

Wie groß das Interesse der RWTH Aachen als Bauherr an der Schaffung eines geeigneten Umfeldes für eine zukunftsorientierte Energieforschung ist, zeigt schon die rekordverdächtige Planungs- und Bauzeit für dieses Gebäude. Nach einer Vorbereitungsphase, in der innerhalb des E.ON ERC in Zusammenarbeit mit Architekten der RWTH zunächst der Raumbedarf ermittelt und der Energiebedarf minimiert wurden, fiel der Startschuss für die detaillierte architektonische Planung im Oktober 2008. Der Bauantrag wurde im Januar 2009 gestellt, der eigentliche Baubeginn durch den Generalunternehmer erfolgte rund drei Monate später. Dank der Modulbauweise konnte das schlüsselfertige Gebäude mit einer Nutzfläche von 1.550 Quadratmetern schon am 30. Juli 2009 an den Bauherrn RWTH Aachen übergeben werden. Unmittelbar anschließend erfolgte die technische Realisierung, insbesondere die Installation der IT-Ausrüstung.

Die Vereinigung der Forscherteams unter einem nun auch physischen Dach durch die Umzüge von den bisherigen, über die Stadt Aachen verteilten Institutsräumen zum gemeinsamen Standort in Aachens Nordwesten konnte dann in der zweiten Augusthälfte erfolgen. Das alles offensichtlich mit dem erwünschten Ergebnis: „Natürlich kennen wir uns untereinander inzwischen sehr gut. Doch wenn ich alleine daran denke, wie viel Zeit jeder von uns unterwegs verbracht hat, um sich mit den Kolleginnen und Kollegen auch persönlich auszutauschen, kann ich nur sagen, dass wir mit dem Einzug in unser neues Gebäude einen entscheidenden Qualitätssprung geschafft haben“, freut sich Antonello Monti. Der Netzspezialist war lange Zeit in den USA tätig, ist als letzter der fünf Professoren des Energieforschungszentrums an die Spitze seines Instituts berufen worden, und schätzt auch deshalb die nun deutlich besseren Möglichkeiten, möglichst schnell möglichst viele seiner Kolleginnen und Kollegen kennen zu lernen.

Die Versuchshalle

Die Theorie ist die eine Seite der ingenieurwissenschaftlichen Forschung. Die andere ist die Umsetzung und Erprobung der theoretischen Überlegungen im Rahmen von Versuchsanordnungen und Messständen. Das geschieht in diesem Fall in einer 1.000 Quadratmeter großen Versuchshalle, die unmittelbar neben dem neuen Bürokomplex des E.ON ERC an der Mathieustraße in vergleichbar kurzer Bauzeit entstanden ist.

Rund ein Viertel der Halle ist für einen Mittelspannungsprüfstand reserviert. Dafür wurde in den Boden ein solides Maschinenbett mit den Abmessungen 5 Meter x 12 Meter eingearbeitet. Zur technischen Infrastruktur gehören demnächst auch ein Lastantrieb als Schnellläufer, der es auf maximal 15.000 Umdrehungen pro Minute bringt, mehrere Mittelspannungs-Leistungsumrichter sowie diverse Messgeräte. In Verbindung mit einem digitalen Echtzeitsimulator können hier Netze und Netzkomponenten in Echtzeit emuliert werden, um elektrische Betriebsmittel unter realistischen Betriebsbedingungen testen zu können. Erforscht werden u. a. hochtourige Hochleistungsantriebe und -generatoren für Kompressoranwendungen, Gleichstromwandler für zukünftige Gleichspannungs-Netze, Offshore Windparks oder Smart Grids, Photovoltaik-Umrichter oder Umrichter für doppelt gespeiste Asynchronmaschinen, wie sie in Windkraftanlagen gebräuchlich sind. Genutzt wird die Halle auch für Untersuchungen von Raumluftströmungen und Komponenten der Klimatechnik sowie für Forschungen im Bereich der Flugzeug- und Fahrzeugklimatisierung. Es gibt einen Leistungs- und Emissionsprüfstand für Kraftwärmekopplung (Mini- und Mirkro-KWK), Wärmepumpen und Kältemaschinen. Hinzu kommen ein Prüfstand für Solarthermie, unterschiedliche Latentwärmespeicher, ein Suspensions- und Emulsionslabor sowie ein Fassadenprüfstand.

Weitaus umfangreicher als für die beiden ersten Bauabschnitte ist der Planungsaufwand für das in der Nachbarschaft entstehende dritte Gebäude des E.ON Energy Research Centers. Hier sollen in naher Zukunft, ähnlich wie im ersten Gebäude, weitere attraktive Büros, Rechner- und Seminarräume geschaffen werden. Mit einer geplanten Gesamtfläche von etwa 3.000 Quadratmetern ist dieser Bau so dimensioniert, dass er dem abzusehenden weiteren Wachstum dieses noch jungen Energieforschungszentrums gerecht werden kann.

Pressemitteilung der RWTH Aachen



© www.hochschulnachrichten.com    c.kexel

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