Universität Leipzig: Das Wiki-Modell, also ein Online-System, dessen Inhalte von den Nutzern gelesen und selbst aktiv mitgestaltet und verändert werden können, ist Dank Wikipedia mittlerweile jedermann ein Begriff. Die Forschungsgruppe Agile Knowledge Engineering and Semantic Web (AKSW) des Instituts für Informatik an der Universität Leipzig hat diese Grundidee weiterentwickelt zu einer Software namens „OntoWiki“. Jetzt konnte sich die Forschungsgruppe über einen Förderetat über 425.000€ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung freuen.
Das „OntoWiki“ hat seinen Namen vom Begriff der Ontologie, der Wissenschaft der semantischen Strukur. Im Gegensatz zu herkömmlichen Wikis kann die "OntoWiki"-Software Informationen komplexer verknüpfen und sogar Verbindungen zwischen ganzen Datenbanken im Internet schaffen. Der Leiter der AKSW-Gruppe, Dr. Sören Auer, erklärt diesen Vorgang am Beispiel aller Professoren, die in der über 5 Jahrhunderte alten Geschichte der Universität Leipzig dort gelehrt und geforscht haben. "Zuerst wurden alle bekannten Informationen zusammengetragen: die privaten und beruflichen Lebensläufe, die wissenschaftlichen Arbeiten, die Kontakte innerhalb der jeweiligen Epoche. All das wurde auf der Basis unserer Software festgehalten. 'OntoWiki' macht es nun möglich Querverbindungen zu schaffen, also - so nie eingegebene - Antworten auf übergreifenden Frage zu suchen: Welche Professoren waren zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Einrichtung tätig? Welche der Professoren kamen aus welchen Gründen nach Leipzig. In welchem Jahrhundert war der Anteil der unverheirateten Professoren am höchsten? Die Möglichkeiten sind nahezu unerschöpflich."
„OntoWiki“ funktioniert dabei als generalisierte Software, die heruntergeladen und vom Nutzer mit beliebigen Inhalten gefüllt werden kann. So werden von Intranets eines Unternehmens bis zu hochspezialisierten Forschungsdatenbanken alle möglichen Anwendungsgebiete denkbar. Dabei ist die Software im Internet als Opensource-Produkt erhältlich und kann umsonst heruntergeladen werden. Auer erläutert das wirtschaftliche Potenzial des „OntoWikis“ wie folgt: "Jetzt haben wir ein Stadium erreicht, das die Software für viele Anwendungsfälle empfiehlt. Die drei Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten konzentrieren sich vor allem auf solche Anwendungen und bieten darauf basierende Dienstleistungen an.“ Zur Gewinnung weiterer Projekt-Teilnehmer aus Industrie und Wirtschaft veranstalten die bestehenden Projektpartner am 29. April 2009 einen Semantic Web Tag in Leipzig, an dem die Technologie vorgestellt und das Potenzial des semantischen Webs verdeutlicht werden soll.
(kg)