Technische Universität Chemnitz: Wintersportler, die mit Alpinski die Piste abfahren, interessieren sich für die Fahreigenschaften ihrer Sportgeräte im Einsatz und nicht für Messwerte, die bei isolierter Belastung im Labor gewonnen wurden. Die Juniorprofessur Sportgerätetechnik der TU Chemnitz hat deshalb eine Messmethodik entwickelt, die das Schwingungsverhalten eines Skis im Feldversuch bewertet - und das getrennt nach Torsions- und Biegeschwingungen.
Torsion beschreibt dabei die Verwindung des Skis um seine Längsachse,
Biegung meint die Verformung um die Querachse. "Die gezielte
Verbesserung der elastischen Eigenschaften ist ein wesentliches Kriterium
bei der Entwicklung eines Alpinskis. Letztendlich handelt es sich dabei um
ein Optimierungsproblem zwischen den Eigenschaften Steifigkeit und
Dämpfung", erklärt Stefan Schwanitz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der
Juniorprofessur Sportgerätetechnik.
Das Chemnitzer Messverfahren arbeitet
mit einer geschickten Anordnung und Verschaltung von
Dehnungsmessstreifen, die Formänderungen an der Oberfläche von
Bauteilen erfassen.
In welchem Aufbau Alpinski gefertigt werden, hängt vom Hersteller und der
Zielgruppe des Produktes ab. "Da hat eigentlich jeder seine eigene
Philosophie", berichtet Schwanitz und ergänzt: "Unsere Messmethode lässt
sich aber bei allen Materialkombinationen anwenden." Das elastische
Verhalten eines höherwertigen Skis wird im Wesentlichen vom Kern aus
mehreren Leimholzschichten sowie von oft faserverstärkten Druck- und
Zuggurten beeinflusst. Die Einschätzung der resultierenden Skieigenschaften
erfolgt üblicherweise durch Experten in Fahrversuchen.
Mit der neuen
Messmethode wollen die Chemnitzer Wissenschaftler klären, welche
Belastungsart entscheidender ist. "Wir versuchen anhand objektiver und
reproduzierbarer Messwerte herauszufinden, welche Auswirkungen die
Torsions- und welche die Biegeschwingungen auf das Fahrverhalten der Ski
tatsächlich haben", fasst Schwanitz zusammen.
Für die ersten Messungen statteten die Forscher einen Riesenslalom-
Rennski auf der Skischaufel mit jeweils fünf witterungsbeständig
abgedeckten Dehnungsmessstreifen für Biegung und Torsion aus. Mit Hilfe
mobiler Messtechnik der imc Meßsysteme GmbH in Berlin ist es damit
möglich, im Feldversuch die Ausbreitung von Schwingung in verschiedenen
Fahrsituationen zu erfassen und zu analysieren. Schwanitz berichtet: "Erste
Fahrversuche in einer Skihalle belegten die Funktionsfähigkeit der gewählten
Methode und gaben Aufschlüsse über die Dämpfungseigenschaften des
untersuchten Skis in Abhängigkeit der Schwingungsrichtung." Derzeit
entwickeln die Wissenschaftler das Messsystem für andere Anwendungen
weiter. "Natürlich sind wir auch jederzeit für Kooperationen mit
Skiproduzenten offen, die sich für unsere Messmethode und -ergebnisse
interessieren", so Schwanitz.
Pressemitteilung der Technischen Universität Chemnitz