Leopoldina schenkt hallescher Universität einen Walpenis

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg : Ein außergewöhnliches Geschenk hat die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften heute der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) gemacht. Archivar Dr. Danny Weber übergab Dr. Frank D. Steinheimer, Leiter des Projekts "Naturkundliches Universitätsmuseum", einen über 200 Jahre alten Walpenis. Er gehört nun zu den ältesten naturkundlichen Sammlungsstücken der Universität. Das Fundstück ist ein wissenschaftshistorisches Unikat, denn es ist das wahrscheinlich letzte in Halle erhaltene Objekt der ehemaligen Naturkundlichen Sammlung der Leopoldina. Für das Museumsprojekt der MLU stellt die Schenkung eine große Unterstützung dar.

"Wir freuen uns sehr, dass das Präparat in Halle bleibt. An der Universität ist es in sehr guten Händen", sagte Weber bei der Übergabe im historischen Sessionssaal der MLU. "Mit der Übereignung unterstützt die Leopoldina unseren Wunsch nach einer öffentlichen Präsentation der einmaligen naturwissenschaftlichen Sammlungen der MLU. Sie bestärkt damit die Universität in ihren Anstrengungen, die Sammlungen zu erhalten, weiter zu erforschen und in der Lehre einzusetzen", fasste Steinheimer die Bedeutung des Exponats zusammen. In dem geplanten Naturkundlichen Universitätsmuseum soll das 1,27 Meter lange, grau-braune Stück im Ausstellungsteil zu Halles Wissenschaftsgeschichte die reichhaltige Geschichte der Leopoldina-Sammlung illustrieren.

Die hallesche Universität besitzt bereits drei Walruten, doch das Exemplar der Akademie eröffnet ein neues, fast 300 Jahre großes Zeitfenster für die Forschung. "Historische Stücke wie dieses bieten ein einmaliges Datenreservoir für Untersuchungen wie beispielsweise Messungen zur damaligen Umweltbelastung, zum Klima, zu historischer Populationsgenetik und zu den Krankheiten der Tiere", weiß Steinheimer. Das Präparat aus getrockneter Haut und Gewebe
wurde bereits in den Zoologischen Sammlungen der MLU vermessen und analysiert. Eine Gewebeuntersuchung am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam
unter Prof. Ralph Tiedemann und seinem Team belegte, dass es sich um den Penis eines Grönlandwals handelt. Die bis zu 16 Meter langen und 70 Tonnen schweren Tiere waren für
Walfänger im Nordmeer vergleichsweise leichte Beute. Ihre Barten und Ruten wurden häufig an Naturalienkabinette verkauft.

Die naturhistorischen Sammlungen der Universität gehören mit über fünf Millionen Objekten zu den zehn größten derartigen Sammlungen Deutschlands und sollen für Forschung und Lehre konzentriert und mit neuartigen Darstellungsformen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Schaumuseum soll am Friedemann-Bach-Platz entstehen und im Idealfall bis 2013 umgesetzt werden.

Die Naturkundliche Sammlung der Leopoldina umfasste einst Minerale, Tierpräparate und Skelette. Ihre Auflösung wurde aus Mangel an Erhaltungsmöglichkeiten 1820 beschlossen, als
sie zunächst in Erlangen und später in Bonn untergebracht war. Der heute an die MLU übergebene Walpenis gilt als das letzte Stück der Sammlung, die mehrheitlich aus Schenkungen

der Akademie-Mitglieder bestand.

Pressemitteilung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg



© www.hochschulnachrichten.com   Dienstag, 3. November 2009 13:27 c.kexel

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