Klinische Ethik: Beratung für Probleme am Lebensanfang und -ende

Ruhr-Universität Bochum : Dank der modernen Medizin stirbt heute kaum noch jemand unerwartet. Eine europäische Studie hat gezeigt, dass in bis zu 50% der Fälle eine ärztliche Entscheidung vorausgeht, die den Todeseintritt in Kauf nimmt oder beabsichtigt. Das wirft im Alltag von Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen ethische Fragen auf. Patienten, Angehörige und Berufstätige im Gesundheitswesen stehen häufig vor ethisch komplexen und psychologisch belastenden Entscheidungen.

Die Medizinethik kann dabei Theorien und Argumente liefern. Einen praxisnahen Überblick in verschiedenen Themenfeldern der klinischen Ethik liefert der Sammelband "Klinische Ethik. Aktuelle Entwicklungen in Theorie und Praxis", der die Ergebnisse der Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin zusammenfasst. Die Tagung fand 2008 unter Leitung des Herausgebers Prof. Dr. Dr. Jochen Vollmann an der RUB statt.

Themenfelder klinischer Ethik

Ein Hauptkapitel des Bandes ist dem neu entwickelten Instrument der klinischen Ethikberatung in Deutschland und den USA gewidmet. Sie ist ein konkretes Angebot der Klinischen Ethik an Ärzte, Patienten und Angehörige. In Komitees besprechen Ärzte den Gesundheitszustand der Patienten haargenau und diskutieren mögliche weitere Therapiekonzepte. In einer Beratung mit Patient oder Angehörigen, die immer nur subjektiv sein kann, wird dann versucht, die  Entscheidungsfindung zu erleichtern. "Jedoch trifft die Beratung leider auch auf Widerstände und ist immer noch nicht überall bekannt. Das müssen wir ändern und insbesondere vermehrt die Wünsche der Patientinnen und Patienten zu Wort kommen lassen", so Prof. Vollmann. Die Forscher berichten über Konzepte, Evaluationen und Weiterbildung. Zudem stellen sie aktuelle
Entwicklungen der Ethikberatung in der stationären Altenpflege vor. Weitere Themenfelder sind klinisch-ethische Probleme am Lebensanfang sowie am Lebensende, die empirische Medizinethik sowie aktuelle Fragen des Arzt-Patient-Verhältnisses und des Selbstverständnisses der
Heilberufe.

Viele Fachgebiete sind vertreten

Der Sammelband, herausgegeben von Prof. Dr. med. Dr. phil. Jochen Vollmann und Dr. med. Jan Schildmann, M.A., vom Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum, sowie von PD Dr. phil. Alfred Simon von der Akademie für Ethik
in der Medizin in Göttingen vereinigt aktuelle Forschungsbeiträge von Autoren aus der klinischen Medizin, Medizinethik, Medizinpsychologie und Soziologie sowie aus Philosophie und Theologie. Unter den Autoren ist unter anderen Prof. Dr. Nancy Dubler, die die Ethikberatung in den
USA in den 1970er Jahren mitbegründet hat. Dass heute alle amerikanischen Krankenhäuser und Altenpflegeheime vor ihrer Akkreditierung klinische Ethik-Strukturen nachweisen müssen, hat sie
maßgeblich gefördert.

Klinische Ethik: Verbindung zwischen Theorie und Praxis

Die Klinische Ethik füllt an der Schnittstelle von Theorie und Praxis eine wichtige Lücke: Viele Praktiker aus Medizin, Pflege und anderen Teilen des Gesundheitswesens fühlen sich durch die häufig theoretischen und wenig praxisnahen Beiträge der wissenschaftlichen Medizinethik
wenig angesprochen und einbezogen. Die Klinische Ethik vermittelt einerseits Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Medizinethik in die Praxis und greift andererseits wichtige Fragen und Probleme aus der medizinischen Praxis für die eigene wissenschaftliche Forschung auf. Dass das Konzept funktioniert, zeigten nicht zuletzt die fast doppelt so hohen Referenten- und Teilnehmerzahlen der Jahrestagung im Vergleich zu früheren Veranstaltungen.

Titelaufnahme
Jochen Vollmann, Jan Schildmann, Alfred Simon (Hrsg): Klinische Ethik.
Aktuelle Entwicklung in Theorie und Praxis. (Reihe: Kultur der Medizin,
Band 29), Campus Verlag Frankfurt/New York, ISBN 978-3-593-3952-9, 303

Seiten, 34,90 Euro.

Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum



© www.hochschulnachrichten.com    c.kexel

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