Technische Universität Dortmund
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Fast Food und Cola statt Obst und Gemüse: Die Folgen „moderner Ernährungsweisen“ sind bereits bei Kindern deutlich zu sehen – mehr und mehr von ihnen leiden unter Übergewicht und Adipositas. Doch wo liegen die Ursachen? Wie hängen Sie beispielsweise mit dem sozialen Status und dem Körpergewicht der Eltern zusammen? Der Entwicklung von Übergewicht auf der Spur hat der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Günter Eissing von der Technischen Universität Dortmund zusammen mit der BKK Hoesch, dem Gesundheitsamt und dem Fachbereich Statistik der Stadt 439 Dortmunder Kinder im Alter von drei Jahren unter die Lupe genommen. Genauer gesagt, hat er sie vermessen.
Aus Körpergröße und Gewicht hat Prof. Eissing den sogenannten Body Mass Index (BMI) errechnet, die Werte mit den Daten aus der Geburtsurkunde und dem ärztliche Untersuchungsheft verglichen und festgestellt: bereits nach den ersten drei Lebensjahren sind 25 Prozent der Jungen und 12 Prozent der Mädchen übergewichtig bzw. adipös. Die Ergebnisse sind nur der erste Teil einer einzigartigen Längsschnittuntersuchung zur BMI-Entwicklung an einer Stichprobe Dortmunder Kinder. In drei Jahren werden die Testpersonen im Rahmen der Schuleignungsuntersuchung noch einmal begutachtet. Eine Beobachtung des BMI von Testpersonen über einen Zeitraum von sechs Jahren ist bisher einmalig.
Bereits die ersten Ergebnisse zeigen: Je älter die Kinder, desto dicker. Der BMI bei der Geburt ist mit den Werten vor 15 Jahren vergleichbar. Prof. Dr. Günter Eissing kann für die Altersspanne vom ersten zum dritten Lebensjahr eine deutliche Zunahme der Kinder mit Übergewicht feststellen. Im Alter von drei Jahren sind 18 Prozent der Jungen und 8 Prozent der Mädchen als übergewichtig einzustufen. 8 Prozent der Jungen und 3 Prozent der Mädchen gelten bereits als adipös. Aus anderen Studien weiß man, dass die Zahl der übergewichtigen Kinder bis zum Alter von sechs Jahren nochmals steigen wird.
Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Dortmund, der BKK Hoesch und vor allem dem Fachbereich Statistik der Stadt Dortmund ermöglichte Prof. Eissing die genaue Abbildung der sozialräumlichen Verteilung in der Stichprobe der Kinder. Die im Sozialbericht der Stadt gebildeten Sozialcluster werden exakt widergespiegelt. Ihnen liegen unter anderem die Einkommensverhältnisse, Arbeitslosigkeit und das Bildungsniveau zugrunde. Cluster 1 bildet dabei die stabilsten und Cluster 5 die sozial benachteiligsten Sozialräume ab.
Prof. Dr. Günter Eissing stellte deutlich mehr Kinder mit Übergewicht und Adipositas im Sozialcluster fünf als in den Clustern eins bis drei fest. Auch weisen Kinder übergewichtiger Eltern einen signifikant höheren BMI als Kinder normalgewichtiger Eltern auf.
Ein bedeutsames Ergebnis der Untersuchung des 2. Jahrgangs ist, dass der Anteil übergewichtiger 3jähriger nicht mehr zugenommen, sondern deutlich abgenommen hat: Es sind z.B. nicht mehr 22 Prozent der Jungen übergewichtig, sondern jetzt 18 Prozent; der Anteil der adipösen Jungen hat sich von 11 auf 8 % verringert. Die gibt die Hoffnung, dass sich das gesellschaftliche Problem des Übergewichts nicht weiter verstärkt.
Aus den Ergebnissen lassen sich Faktoren herausarbeiten, die die Entwicklung von Übergewicht beeinflussen. Im Gegensatz zum Sozialraum und dem Gewicht der Eltern haben sich beispielsweise die sprachliche und motorische Fitness nicht als Einflussfaktor herausgestellt. Dass sich das Übergewicht innerhalb eines Jahres verringert hat, ist für Dr. Hildegard Kratz, Gesundheitsamt Dortmund und Gesamtprojektleiterin von "Dortmunder Kinder. Besser essen. Mehr bewegen" ein Erfolg. Dennoch sind die Zahlen aber nach wie vor viel zu hoch und Präventionsprogramme sind weiterhin notwendig. Uwe Gehrig, Vorstand der BKK Hoesch, sieht durchaus gute Möglichkeiten, mit gezielten Präventionsprogrammen und einer Verbesserung der Vorsorge die Zunahme von Übergewicht weiter einzuschränken.
Hintergrund Body Mass Index (BMI)
Der Body Mass Index (deutsch: Körpermasseindex) ist eine Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts eines Menschen. Dabei gilt der BMI lediglich als grober Richtwert um leicht Vergleichbarkeit herzustellen. Die Zusammensetzung des Körpergewichts aus Fett- und Muskelgewebe wird nicht berücksichtig. Zur Berechnung wird das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern geteilt (BIM = Gewicht/Größe²). Normalgewichtig werden nach der Weltgesundheitsorganisation Menschen mit einem BMI zwischen 20 und 25 bezeichnet. Darüber gilt eine Person als übergewichtig. Ab einem BMI von 30 spricht man von Adipositas.
Hintergrund Sozialbericht Stadt Dortmund / Die Cluster
In ihrem Sozialbericht definiert die Stadt Dortmund fünf sogenannte Cluster, denen die Sozialräume zugeordnet sind. Grundlage sind u.a. die Einkommen, die Sozialhilfedichte und die Bildung. Cluster 1 bildet dabei die stabilsten und Cluster 5 die sozial benachteiligsten Sozialräume ab. Die insgesamt 39 Sozialräume der Stadt Dortmund verteilen sich auf die fünf Cluster wie folgt:
Cluster 1 11 Sozialräume (z.B. südliche Gartenstadt, Wellinghofen)
Cluster 2 6 Sozialräume (z.B. City, Brackel, Hombruch)
Cluster 3 9 Sozialräume (z.B. Dorstfeld, Schüren, Lüttgendortmund)
Cluster 4 10 Sozialräume (z.B. Eving, Scharnhorst-Ost, Hörde)
Cluster 5 3 Sozialräume (z.B. Nordmarkt, Borsigplatz)
Pressemitteilung der Technischen Universität Dortmund