Ruhr-Universität Bochum: Kern- und Teilchenphysik, Energieforschung sowie die Physik und Astronomie im Schulunterricht sind Schwerpunkte einer Tagung an der
Ruhr-Universität Bochum, zu der vom 16. bis 20. März 2009 mehr als 900 Fachleute aus dem In- und Ausland erwartet werden. Veranstalter sind die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und der europäische
Dachverband physikalischer Gesellschaften, die European Physical
Society. Die Ruhr-Universität Bochum ist verantwortlich für die lokale
Organisation.
Im Rahmen der Tagung geht es beispielsweise um die
Entstehung der chemischen Elemente, die Zukunft der europäischen
Energieversorgung und um die Feststellung, dass angesichts fehlender
Lehrerinnen und Lehrer der Physikunterricht hierzulande immer häufiger
von Lehrkräften ohne pädagogische Ausbildung übernommen wird. Das
Tagungsprogramm umfasst rund 180 Seiten und mehr als 800 Fachbeiträge.
"Leim" in Atomkernen
Kernig: Das Augenmerk der versammelten Physikerinnen und Physiker gilt
unter anderem den Atomkernen und der "starken Wechselwirkung".Diese
Naturkraft wirkt wie ein Leim, der die einzelnen Teile beziehungsweise
Teilchen des Atomkerns miteinander verbindet. Fachbeiträge über
kernphysikalische Phänomene ziehen sich daher wie ein roter Faden durch
das Programm. In diesem Zusammenhang geht es auch um die Entstehung der
chemischen Elemente, die bei enormem Druck und Hitze im Inneren der
Sterne "erbrütet" werden. Neue Erkenntnisse über derlei Vorgänge
versprechen sich die Wissenschaftler von der Forschungsanlage FAIR, die
zurzeit in Darmstadt gebaut wird. Thema sind auch die am Genfer
Teilchenbeschleuniger LHC geplanten Experimente sowie die Suche nach
der "Dunklen Materie". Etwa 80 Prozent der Masse des Universums besteht
nämlich aus unbekannten Elementarteilchen. Mit Laborexperimenten und
Himmelsbeobachtungen versuchen Forscher, diese "Dunkle Materie"
aufzuspüren. In Bochum werden dazu aktuelle Ergebnisse vorgestellt.
Zukunft der Energieversorgung
Energisch: Während der Tagung werden die Fachleute auch über die
Zukunft der europäischen Energieversorgung diskutieren und über die
Rolle der Physik bei der Bewältigung der Energie- und Klimaproblematik.
Hintergrund dafür ist der Beschluss der Europäischen Union die
Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent gegenüber 1990
zu vermindern und die Energieproduktion durch Erneuerbare Energien
auszubauen.
Folgen des Lehrkräftemangels
Lehrreich: Wie lassen sich Schülerinnen und Schüler für Physik
begeistern? Wie lässt sich Physikunterricht noch interessanter und
wirkungsvoller gestalten? Wie ist die Ausbildung von Lehrerinnen und
Lehrern zu verbessern? Mit solchen Fragen befassen sich die
Tagungsbeiträge zur Physik-Didaktik. In diesem Rahmen werden auch
jüngste Ergebnisse einer Erhebung über die Folgen des Lehrkräftemangels
diskutiert. Diese Studie hat ergeben, dass der Physikunterricht in
Deutschland immer häufiger von Lehrkräften ohne pädagogische und
didaktische Ausbildung übernommen wird. In den Jahren 2002 bis 2007
hatten 45 Prozent der Physik-Referendare für die gymnasiale Oberstufe
kein Lehramtsstudium absolviert. So das Ergebnis dieser bundesweiten
Untersuchung, die vom Institut für Didaktik der Physik der Universität
Frankfurt am Main durchgeführt und von der DPG mitfinanziert wurde.
Anlässlich des "Internationalen Jahres der Astronomie" werden sich
zudem verschiedene Vorträge mit der Bedeutung der Astronomie für den
modernen Physikunterricht auseinandersetzen.
Öffentliche Vorträge
Neben dem umfangreichen Fachprogramm wird es auch zwei
öffentliche Abendvorträge geben.
Der Eintritt ist frei:
Dienstag, 17. März, 19 Uhr
Ruhr-Universität Bochum,
Audimax
Applications of Nuclear Physics (in englischer Sprache)
Prof. Dr. Walter Kutschera, Universität Wien
Mittwoch, 18. März, 19:30 Uhr
Ruhr-Universität Bochum, Veranstaltungszentrum,
Mensa 04/Saal 2
Plasmaforschung zwischen Weltraumstaub und Medizintechnik
Prof. Dr. Achim von Keudell, Ruhr-Universität Bochum
Die DPG
Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V. (DPG) ist die älteste und
mit mehr als 56.000 Mitgliedern die größte physikalische
Fachgesellschaft weltweit. Als gemeinnütziger Verein verfolgt sie keine
wirtschaftlichen Interessen. Die DPG fördert den Erfahrungsaustausch
innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und möchte darüber hinaus
allen Neugierigen ein Fenster zur Physik öffnen. Sitz der DPG ist Bad
Honnef am Rhein. Website: www.dpg-physik.de
Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum