Imam von Leipzig wird an der Technischen Universität Ilmenau sprechen

Technische Universität Ilmenau: Der Vorsteher der Moschee von Leipzig Hassan Dabbagh wird im Oktober an der Technischen Universität Ilmenau den verschobenen Vortrag halten und sich anschließend einer Diskussion stellen. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs, das gestern, Dienstag, zwischen der Universitätsleitung und Hassan Dabbagh auf Einladung des Rektors, Prof. Peter Scharff, stattgefunden hat.

In den vergangenen Wochen hatte es eine erregte öffentlich geführte Diskussion darüber gegeben, ob es richtig sei, Dabbagh an der Universität sprechen zu lassen. Die Muslimische Gemeinde an der Hochschule hatte ihn eingeladen, einen Vortrag zur „Stellung der Frau im Islam“ zu halten. In vielen Medien wird Hassan Dabbagh als „Hassprediger“ und bezahlter Kontaktmann der Al Kaida bezeichnet. In München stehen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen ihn wegen Volksverhetzung kurz vor dem Abschluss.

Die Universitätsleitung hatte am Freitag vom Thüringer Verfassungsschutz erstmals erfahren, dass der Sächsische Verfassungsschutz das Gedankengut, das an der Leipziger Moschee verbreitet wird, als „extremistisch“ einstuft. Daraufhin hatte sie den Vortrag kurzfristig abgesagt, Dabbagh jedoch zu sich in die Universität eingeladen, um ihm die Möglichkeit zu geben, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. An dem eineinhalbstündigen Gespräch nahmen auch der Prorektor für Bildung, Prof. Jürgen Petzold, sowie Vertreter der Muslimischen Gemeinde und des Studentenrates teil.

Der Sächsische Verfassungsschutz wirft Hassan Dabbagh indirekt vor, die salafistische Ideologie zu verbreiten. Diese sei demokratiefeindlich, weil sie die Demokratie als unvereinbar mit dem islamischen Glauben ansehe. Dazu sagte Dabbagh gestern: „Ich will nicht die Scharia (Anm: das religiöse Gesetz des Islam) in Deutschland einführen. Alles, was ich will, ist, meinen Glauben hier zu praktizieren“.

Der aus der syrischen Hauptstadt Damaskus stammende Hassan Dabbagh berichtete, dass er 1992 zum Studium nach Deutschland gekommen sei und 1994 angefangen habe, hier zu predigen. Er sei einer der wenigen Imame, die dies auf Deutsch tun. Zu Beginn seines Aufenthaltes in Deutschland sei er bei den Medien ein gefragter Islamexperte gewesen, dann aber sei er zunehmend, so wörtlich, „zum Buhmann“ gemacht worden. Die Situation heute fasste Dabbagh so zusammen: „Manchmal, wenn ich die Zeitung aufmache, habe ich vor der Person, die da beschrieben wird, selbst Angst“.

Dabbagh betonte, er sei für Friede, Toleranz und Dialog. Er führte der Universitätsleitung eine eigene Videobotschaft vor, die auch im Internet-Videoportal Youtube gezeigt wird und seine friedliche Gesinnung dokumentiere. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 habe er immer „feige Attentate“ genannt und in der Fernsehtalkshow „Christiansen“ zum Thema Ehrenmorde gesagt: „Mord ist niemals Ehre“. Trotzdem werde er seit Jahren von deutschen Ermittlungsbehörden verfolgt, die jedoch nie belastendes Material gegen ihn zu Tage gefördert hätten.

Dass auch der Verfassungsschutz ihn seit sechs Jahren verfolge, belaste ihn. Einem Verfassungsschützer gegenüber habe er einmal geäußert, er trage sich mit dem Gedanken, aus Deutschland auszuwandern, woraufhin dieser ihm gesagt habe: „Dann holen wir Sie zurück“. Er habe gefragt: „Um mich zu verhaften?“ „Nein“, habe der Verfassungsschützer geantwortet, „Sie machen mich sonst arbeitslos. Sie haben sechs Jahre lang meine Bezahlung gesichert“.

Der Rektor der TU Ilmenau, Prof. Peter Scharff, räumte ein, dass es auch in Deutschland Kreise gebe, die ein Interesse daran hätten, den Islam pauschal zu verurteilen. Gerade deswegen sei ein Dialog der Kulturen, wie er sich auch durch das Gespräch mit dem Imam offenbare, nötig: „Der Weg, den unsere Muslimische Gemeinde eingeschlagen hat, ist der richtige. Und ich befürworte ausdrücklich, dass er genau so weiter geführt wird“. Hassan Dabbagh erwiderte: „Dass wir hier reden, ist ein Fortschritt. Und ich sage Ihnen: Ich möchte Dialog“.

Rektor Peter Scharff nannte das Gespräch mit dem Imam zum Abschluss „sehr wertvoll“. „Für mich war das persönliche Kennenlernen besonders wichtig. Ich stehe dafür, dass der Dialog fortgeführt wird. Wir werden den Vortrag nachholen“. Als Termin wurde die zweite Oktoberwoche ins Auge gefasst, ein Datum, das nach den Sommerferien und nach den Thüringer Landtags- und den Bundestagswahlen liegt. Hassan Dabbagh antwortete: „Wenn ich noch nicht im Gefängnis bin, dann komme ich!“

An den Vortrag zur Stellung der Frau im Islam wird sich eine Diskussion anschließen, in der auch durchaus kritische Wortmeldungen erwünscht sind. Der Vertreter der Muslimischen Gemeinde Abdel Halim beendete das Gespräch mit den Worten: „Wir sind sehr dankbar. Und stolz, dass wir an einer solchen Universität studieren dürfen“.

Pressemitteilung der Technische Universität Ilmenau

Bild: Gespräch des Rektors, des Imam, des Prorektors für Bildung sowie der Vertreter der Muslimischen Gemeinde und des Studentenrates in der Universität



© www.hochschulnachrichten.com    c.kexel

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