Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Greifswald: „Wie mächtig war der Kaiser?“ ist die Frage, die sich der Greifswalder Historiker Alexander König in seinem gleichnamigen Buch gestellt hat. Die Kontroverse um das Ausmaß des persönlichen Regiments Wilhelms II. beschäftigt die Geschichtswissenschaft seit Jahrzehnten.
In der Tat kommt dem Herrscher, der Deutschland in den Ersten Weltkrieg führte, eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des deutschen Schicksals nicht nur im Verhältnis zu den anderen Mächten, sondern auch auf dem Weg zur Demokratie zu. Alexander König kann zeigen, dass die von verschiedenen Historikern vertretenen Extrempositionen, die einerseits ein „Kaiserreich ohne Kaiser“ an die Wand malten, andererseits das Deutsche Reich vor 1918 als quasi-absolutistisches Regime erscheinen ließen, nicht zutreffen. Stattdessen schildert er, dass Wilhelm II. seine Entscheidungsgewalt letzter Instanz überwiegend negativ und hemmend einsetzte, während er seiner Aufgabe, die gleichrangigen Ressorts von Außenpolitik, Heer und Flotte an der Spitze zu koordinieren, nur mangelhaft nachkam.
Während die dreibändige Biografie des Kaisers aus der Feder des britischen Historikers John C. G. Röhl sich ausgiebig dem Einfluss des Kaisers auf die Auslösung des Weltkriegs widmet, hat König eine stärker verfassungsgeschichtlich ausgerichtete Studie vorgelegt, die von grundsätzlichen Fragen der Soziologen nach dem Funktionieren eines Regierungsmechanismus angeleitet ist.
Weitere Informationen
Alexander König: Wie mächtig war der Kaiser? Kaiser Wilhelm II. zwischen Königsmechanismus und Polykratie von 1908 bis 1914. (Historische Mitteilungen im Auftrage der Ranke-Gesellschaft, Beiheft 73). Franz Steiner Verlag Stuttgart 2009. ISBN 978-3-515-09297-5
Pressemitteilung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Greifswald