Philipps-Universität Marburg:
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat weitere Fördermittel für Marburger Psychologinnen bewilligt, die Gründe für Essanfälle im Kindes- und Jugendalter untersuchen. Privatdozentin Dr. Anja Hilbert und ihre Projektmitarbeiterin beschäftigen sich seit dem Jahr 2005 mit dem Einfluss, den Persönlichkeitsvariablen auf das Essverhalten haben.
Es gibt immer mehr übergewichtige Kinder in Deutschland – mittlerweile werden 15 Prozent der Minderjährigen als übergewichtig eingestuft, gut sechs Prozent sogar als adipös (fettleibig).
Viele der Betroffenen leiden unter Essanfällen. „Essanfälle werden bislang noch recht wenig erforscht, obwohl sie gerade bei Kindern häufig sind“, erläutert Hilbert. „Bei einem Essanfall nehmen diese deutlich mehr Nahrung als üblich zu sich und erleben dabei einen Kontrollverlust, das heißt, sie haben das Gefühl, nicht mehr mit dem Essen aufhören zu können.“
Viele Kinder und Jugendliche, die an Essanfällen leiden, nehmen stark an Gewicht zu. Das kann gravierende medizinische Folgen haben und erhöht schon bei Kindern das Risiko für Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ II oder Herz-Kreislauferkrankungen. Davon abgesehen leiden die Kinder vermehrt unter gewichtsbezogenen Hänseleien und psychischen Problemen.
In den vergangenen drei Jahren haben die Marburger Psychologinnen vor allem untersucht, wie das auffällige Essverhalten entsteht. Sie haben bereits etliche Hinweise darauf gefunden, dass die Betroffenen schlechter mit negativen Gefühlen umgehen können und anstrengende Bewegung vermeiden. „Zudem kann Diäthalten zu Essanfällen führen“, berichtet Projektmitarbeiterin Andrea Hartmann; „auch die Art und Weise, wie in Familien beim Essen kommuniziert wird, spielt offensichtlich eine Rolle.“
Bislang ist nur sehr wenig über situationsabhängige Einflüsse auf Essanfälle bekannt. „Wir wissen, dass Essanfälle häufig vorkommen, wenn die betroffenen Kinder und Jugendlichen schlechter Stimmung sind“, berichtet Hilbert. „Unsere Vermutung ist, dass unter anderem bestimmte Persönlichkeitsfaktoren wie zum Beispiel Impulsivität etwas damit zu tun haben, dass Jugendliche Essanfälle zeigen. Das wollen wir in der nächsten Phase unseres Projektes untersuchen.“
Für die neue Studie suchen die Wissenschaftlerinnen Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren, die an Essanfällen leiden und Lust haben, an der Untersuchung teilzunehmen. „Die Studie soll darüber Auskunft geben, welche Persönlichkeitsfaktoren wie stark in die Entwicklung von Behandlungen einbezogen werden müssen“, führt die Projektleiterin aus. Der Termin dauert etwa 90 Minuten und umfasst neben einer Computeraufgabe zwei Interviews, die mit den Probanden geführt werden. Vor dem Termin werden die Jugendlichen und ein Elternteil zudem gebeten, zwei Fragebögen auszufüllen.
Die Teilnahme wird mit 25 Euro vergütet.
Zusätzlich können auch Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsproblemen (ADHS) an der Studie teilnehmen. „Wir möchten beide Gruppen vergleichen, um zu sehen, ob bestehende Therapien übertragen werden können“, sagt Hilbert.
Die bisherige Arbeit der Projektgruppe überzeugte auch den Geldgeber: Die Förderorganisation DFG unterstützt das Forschungsvorhaben ein weiteres Jahr lang.
Pressemitteilung der Philipps-Universität Marburg