Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg:
In der heutigen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins "Science" berichten Forscher aus Göttingen, Jülich und Halle, wie sie die sogenannte Fermi-Fläche von Kupfer sichtbar gemacht haben. Diese Fläche ist gewissermaßen der Fingerabdruck eines Metalls. Von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) hat der Physiker PD Dr. Peter Zahn zu den Arbeiten beigetragen.
So wie ein Sonar oder Echolot Schallwellen aussendet, um
die Tiefen der Ozeane zu erkunden, können Elektronen in
Metallen genutzt werden, um verborgene Eigenschaften des
Atomgitters zu untersuchen. Dies haben sich die Forscher
der Georg-August-Universität Göttingen, des
Forschungszentrums Jülich und der MLU zunutze gemacht. Mit
einem Rastertunnelmikroskop konnten sie Muster beobachten,
die einen engen Zusammenhang zur sogenannten Fermi-Fläche
der untersuchten Kupfer-Probe aufweisen.
"Die Fermi-Fläche ist der Fingerabdruck eines Metalls",
erklärt PD Dr. Peter Zahn. "Wichtige Merkmale wie
Leitfähigkeit, Wärmekapazität und Magnetismus werden durch
sie festgelegt." Die Fermi-Fläche charakterisiert die
energiereichsten Elektronen, die sich innerhalb des Metalls
bewegen. Je nachdem, welche Form die Fläche hat und welche
Geschwindigkeiten die Elektronen besitzen, bestimmen sie
die physikalischen Eigenschaften der Metalle.
Da sich die Elektronen wie Wellen ausbreiten, durchlaufen
sie das Metall und werden an Hindernissen, wie etwa
einzelnen Kobaltatomen, gestreut und reflektiert.
Die
Reflexion der Wellen erfolgt vorrangig in bestimmte
Richtungen, sodass sie mit dem Rastertunnelmikroskop an der
Oberfläche als ringförmige Strukturen zu messen sind.
Die deutlich deformierten Ringe auf der Oberfläche erlauben
es, direkte Rückschlüsse auf die Form der Fermi-Fläche und
die Tiefe des Kobaltatoms zu ziehen. Eine Verfeinerung der
experimentellen Methode mithilfe dieser Analyse sollte es
ermöglichen, tief liegende Fremdatome, Grenzflächen und
auch magnetische Eigenschaften zu untersuchen.
Die im Magazin "Science" vorgestellte Arbeit eröffnet ein
völlig neues Einsatzgebiet eines etablierten und weit
verbreiteten physikalischen Messprinzips. Ein
Rastertunnelmikroskop wird vorrangig zur Untersuchung der
Oberfläche von Proben eingesetzt.
Dank der theoretischen
Arbeiten lässt es sich nun nach Angaben der beteiligten
Forscher nutzen, um einen direkten Einblick in das Innere
von Festkörpern zu bekommen und interessante Effekte der
Nanowelt sichtbar zu machen und zu verstehen.
PD Dr. Peter Zahn ist an der MLU Mitarbeiter im
Institut für Physik in der Arbeitsgruppe "Quantentheorie
des Festkörpers" von Prof. Dr. Ingrid Mertig. Die Gruppe
kann eine langjährige Erfahrung mit der Berechnung und
Untersuchung der Fermi-Flächen vorweisen. Ingrid Mertig
steht zusammen mit Prof. Dr. Jörg Kreßler auch dem
MLU-Exzellenznetzwerk "Nanostrukturierte Materialien" vor.
Science-Veröffentlichung:
Alexander Weismann, Martin Wenderoth, Samir Lounis, Peter
Zahn, Norbert Quaas, Rainer G. Ulbrich, Peter H. Dederichs,
Stefan Blügel: Seeing the Fermi Surface in Real Space by
Nanoscale Electron Focusing, Science 323, 1190 (2009)
Pressemitteilung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg