Experimente mit nicht-linearen Stilformen der Literatur

Ruhr-Universität Bochum : Literarische Texte können sich leicht als Irrweg darstellen, wenn der Leser viele plötzliche Wendungen und Umwege innerhalb des Schriftstücks nachvollziehen muss. Auch das Erscheinungsbild eines literarischen Werks selbst kann irreführend sein. Im vergangenen Sommersemsester haben Studierende der Ruhr-Universität Bochum die Stilform ‚Labyrinth' in einem Projektseminar der vergleichenden Literaturwissenschaft unter der Anleitung von Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans erprobt.

Die gesammelten Beiträge sind unter dem Titel "Labyrinthe als Texte, Texte als Labyrinthe" im Buchhandel erhältlich und eröffnen als erster Band die Reihe "forum texte + projekte", in der Anthologien aus Lehrveranstaltungen der RUB veröffentlicht werden.


Literarisches Labyrinth

"Man kann Texte dann als labyrinthisch beschreiben, wenn sie von der Normalform des in gleichförmigen, unteranderstehenden Zeilen angelegtenTextes abweichen und dabei statt einer linearen Lektüre einen Lesevorgang provozieren, bei welchem der Blick immer wieder die Richtung wechselt - so wie derjenige, der ein Labyrinth begeht, immer wieder die Richtung wechseln muss", erklärt Prof. Schmitz-Emans in der Einleitung des Buches. Dieser Richtungswechsel kann in allen erzählenden, dramatischen, lyrischen und essayistischen Textformen eingesetzt werden. Dabei kommen Labyrinthe sowohl über komplexe Zusammenhänge innerhalb des Textes als auch durch das Erscheinungsbild selbst zum Einsatz, zum Beispiel, wenn Gedichtzeilen unkonventionell angeordnet sind anstatt gerade in der Zeile zu verlaufen. Bereits aus der Antike bekannt, wird die Stilform des Labyrinths bis heute in Lyrik und Prosa eingesetzt, um durch verlängerte Lektüre eine tiefe inhaltliche und assoziative Auseinandersetzung des Rezipienten mit dem Schriftstück hervorzurufen.


Vielfältige Beiträge der Studenten


Mit ihrem komparatistischen Seminar zum Thema "Bücher und Labyrinthe" will Monika Schmitz-Emans eine Sensibilisierung für die Präsenz des Konzepts Labyrinth in der Literatur, aber auch in der Alltagskultur in Medien und Spielen erreichen. Die Studierenden waren im Seminar dazu aufgerufen, selbstgewählte aktuelle Themen mit nicht-linearen Erzählformen experimentell umzusetzen. Mit Erfolg: Aus dem kreativen Prozess sind ganz unterschiedliche literarische Labyrinthe hervorgegangen, die sich nun in der Veröffentlichung wiederfinden, von direkten Anknüpfungen an die traditionelle Form des Labyrinthgedichts, zum Beispiel in Form einer Spritze als lyrische Auseinandersetzung mit dem Thema Abhängigkeit und Sucht, über nicht-lineare Erzählungen bis zu Kommentaren zu labyrinthischen Texten und Büchern. Eingerahmt werden
die Beiträge der Teilnehmer durch eine Einführung sowie eine Betrachtung der Tradition labyrinthischer Texte durch Prof. Schmitz-Emans.

Start einer Reihe


Das Buch ist der erste Band der Reihe "forum texte + projekte", in der Anthologien aus universitären Lehrveranstaltungen der Ruhr-Universität Bochum in enger Kooperation mit dem Ch. A. Bachmann Verlag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Noch in diesem Jahr wird der Band "Geopolitische Fiktionen" von Prof. Dr. Linda Simonis herausgegeben, die ebenfalls Komparatistik an der Ruhr-Universität Bochum lehrt. Weitere Titel der Reihe sind in Vorbereitung.

Titelaufnahme

Monika Schmitz-Emans und Christian A. Bachmann (Hg.): Labyrinthe als
Texte. Texte als Labyrinthe. Forum texte + projekte. Band 1. Bochum

2009. ISBN 978-3-941030-06-0

Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum



© www.hochschulnachrichten.com    c.kexel

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