Erlanger Mediziner erforschen Behandlung gegen Blutarmut bei Nierenkranken

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Die meisten schwer nierenkranken Patienten erhalten das gentechnologisch hergestellte Hormon Erythropoietin (EPO) zur Therapie gegen Blutarmut. In der aktuellen Ausgabe des renommierten New England Journal of Medicine erscheinen am 5. November 2009 zwei Artikel mit Beteiligung von Wissenschaftern des Universitätsklinikums Erlangen, die über neue Erkenntnisse zu Wirkungen und Nebenwirkungen dieser Therapie berichten. Danach führte die EPO-Therapie nicht zu einem Rückgang von Herz-Kreislaufkomplikationen, sondern es traten im Gegenteil gehäuft Schlaganfälle auf. Gegen eine seltene Abwehrreaktion des Körpers als Folge einer EPO-Therapie konnten die Forscher erstmals ein neues Medikament einsetzen. „Damit hat die seltene Komplikation, die letztlich regelmäßige Bluttransfusionen notwendig macht, ihren Schrecken weitgehend verloren“, sagte Prof. Kai-Uwe Eckardt, Direktor der Medizinischen Klinik 4 - Nephrologie und Hypertensiologie - am Uni-Klinikum Erlangen und Klinikum Nürnberg. „Auch die Studie zu den Behandlungseffekten ist trotz der enttäuschenden Resultate von großer Bedeutung.“

Hintergrund: Die gesunden Nieren sind nicht nur für die Ausscheidung von Flüssigkeit und Stoffwechselprodukten verantwortlich, sondern regulieren über das Hormon EPO auch die normale Blutbildung. Deshalb entwickeln Patienten mit chronischer Nierenerkrankung nahezu regelhaft eine Blutarmut. Um dies zu verhindern, wird das Hormon EPO seit mehr als 20 Jahren gentechnologisch hergestellt, und steht seitdem als Medikament zu Verfügung. Die meisten Dialysepatienten erhalten es heute regelmäßig verabreicht. Ihre Blutarmut lässt sich damit korrigieren, und die Notwendigkeit zur Verabreichung von Bluttransfusionen ist deutlich reduziert.

Erste Studie beschreibt Nebenwirkungen der EPO-Therapie

In einer Studie bei über 4.000 Patienten, die nierenkrank waren und eine Zuckerkrankheit hatten, wurde jetzt getestet, ob durch Behandlung der Blutarmut mit dem Ziel einer Normalisierung des Hämoglobin-Wertes die Dialysepflichtigkeit verzögert und Herz- Kreislaufkomplikationen verhindert werden können. Beide Effekte konnten aber nicht nachgewiesen werden. Im Gegenteil traten bei den mit einem EPO-Päparat (Darbepoetin alfa) behandelten Patienten gehäuft Schlaganfälle auf. Andererseits war die Zahl der Patienten, die Bluttranfusionen erhielten, unter der Therapie geringer und die Lebensqualität war etwas besser. „Die Studie ermöglicht uns eine bessere Risiko-/Nutzen-Abschätzung der EPO-Therapie“, sagte Prof. Eckardt. Es handelt sich um eine der größten Studien, die bislang in dieser sehr gefährdeten Patientengruppe durchgeführt wurde.

2. Studie belegt wirkungsvolle EPO-Ersatztherapie

In einer zweiten Studie beschäftigten sich die Forscher mit einer sehr seltenen Komplikation der EPO-Therapie - der Entwicklung von Antikörpern gegen das Hormon. Die fatale Folge dieser Antikörperbildung ist, dass das zugeführte Hormon seine Wirkung verliert, und auch das restliche vom Körper gebildete Hormon nicht mehr aktiv ist. In schweren Fällen kommt es zum völligen Erliegen der Blutbildung. Die Patienten sind auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen. Forscher aus Erlangen, Paris und London konnten jetzt erstmals ein neues Medikament bei diesen Patienten einsetzen, das ähnlich wie EPO wirkt und denselben Rezeptor aktiviert, dessen Struktur aber überhaupt nicht mit der des Hormons verwandt ist. Die Ärzte vermuteten, dass diese neue Substanz auch nicht mit den Antikörpern gegen EPO reagieren würde und deshalb zu einer Erholung der Blutbildung führen könnte. Diese Vermutung konnte bei 14 Patienten eindruckvoll bestätigt werden. Mit einer Ausnahme sprachen die Patienten sehr gut und dauerhaft auf die Behandlung an und ihre Blutarmut ließ sich korrigieren ohne dass weitere Blutkonserven nötig waren. Die sechs in Erlangen behandelten Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Die Nieren- und Kreislaufforschung ist einer der vier Forschungsschwerpunkte an der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Die Medizinische Klinik 4 am Universitätsklinikum in Erlangen ist im Verbund mit der Medizinischen Klinik 4 am Klinikum Nürnberg das mit Abstand größte Behandlungszentrum für Nieren- und Hochdruckkrankheiten in Deutschland.

Pressemitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg



© www.hochschulnachrichten.com    c.kexel

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