Die HFR war mit Ministerpräsident Oettinger in Moskau

Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg: Ministerpräsident Günther Oettinger war mit einer hochrangigen Regierungs-delegation vom 25. bis 28. Mai 2009 in Moskau, um dort die „Innovationsregion Baden-Württemberg“ im Rahmen der Baden-Württemberg-Tage vorzustellen. Über 200 Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft begleiteten ihn. Mit dabei war neben den Rektoren der Universitäten Karlsruhe und Ulm sowie der Hochschulen Offenburg und Pforzheim auch der Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR), Professor Dr. Bastian Kaiser.

Ziele des dichten Besuchsprogramms der mit vier Ministern, einem Staatssekretär, dem Präsident des Landtages Baden-Württemberg und dem ehemaligen Finanzminister Stratthaus sehr hochrangig besetzten Delegation waren die Intensivierung des Informations- und Meinungsaustausches zwischen den beiden Regionen Moskau und Baden-Württemberg sowie die Abschätzung der Potentiale und Grenzen einer intensiveren Zusammenarbeit in der Zukunft.

Mit drei Rektoren und dem Prorektor der Hochschule Furtwangen brachten sich die Fachhochschulen des Landes in zahlreiche Veranstaltungen und Tagesordnungspunkte dieser Reise nach Moskau ein. So waren sie selbstverständlich Mitglied der von Staatsekretär Dr. Dietrich Birk angeführten Wissenschaftsdelegation, in deren Rahmen die Hochschulen Offenburg und Furtwangen sich beispielsweise an einem Wissenschaftsforum zur aktuellen Entwicklung in der Nanotechnologie beteiligten und nahmen Termine der Wirtschaftsdelegation mit wahr, bei denen es im Rahmen von Unternehmensbesuchen oder der Eröffnung des German Centers insbesondere um die wirtschaftlichen Perspektiven des baden-württembergischen Mittelstandes in der Region Moskau - in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage und in der nahen Zukunft - ging.

„Fachhochschulen sind typischerweise in dem anspruchsvollen Spagat zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geübt“, sagt Bastian Kaiser, „das wurde auch im Rahmen dieser Reise deutlich. Wir sind so etwas wie das Scharnier zwischen beiden Bereichen, weil wir in der Verantwortung stehen, heute schon Studiengänge anzubieten, die gerade dem innovativen Mittelstand unseres Bundeslandes in Zukunft ausgezeichnete, wissenschaftlich kompetenten und praxisorientierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versprechen.“

Für Rektor Kaiser ging es bei seiner Teilnahme an der Delegationsreise vorrangig darum, sich vor Ort über den Entwicklungsstand und die Potentiale der innovativen Holznutzung im Bereich der Materialentwicklung und Bauwirtschaft sowie über die Biomassepotentiale und die Perspektiven der energetischen Nutzung von Waldbiomasse zu informieren. Dabei wurde deutlich, dass die natürlichen Voraussetzungen für die Wald- und Holzwirtschaft sowie für die Entwicklung eines zukunftsorientierten Energiemixes aus regenerativen Quellen in Russland und insbesondere in der Region Moskau geradezu ideal sind. Allerdings wird dieses große Potential durch wirtschaftliche und zum Beispiel eigentumsrechtliche Einschränkungen deutlich reduziert. Erschwerend kommt hinzu, dass eine planmäßige, über lange Zeiträume gedachte und systematische Waldnutzung in Russland keine Tradition hat. So ist es erklärbar, dass ein namhafter Spanplattenhersteller seine Russlandniederlassung zwar an einem kartografisch idealen Standort gegründet hat und betreibt, er aber größte Probleme hat, an die ihn umgebenden Rohstoffe heranzukommen.

Die Zukunftschancen der regenerativen Energien werden in Russland zur Zeit noch durch die äußerst kostengünstige Zurverfügungstellung der eigenen (fossilen) Rohstoffe Erdgas und Erdöl gebremst. Diese könnte und wird sich jedoch gerade in den ländlichen Regionen ändern müssen. Dort wird schon jetzt – oder noch immer – Biomasse in Form von Brennholz und Holzkohle genutzt, um in höchst ineffizienter Weise Wärme für Haushalte und Industrieprozesse zu gewinnen.

In beiden Bereichen – in der Forst- und Holzwirtschaft wie in der dezentralen Energiewirtschaft – bieten sich interessante Betätigungsfelder für Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge der HFR, die durch eine geeignete zu entwickelnde Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen in der Region Moskau vorbereitet und entwickelt werden können.

Diesem Zweck dienten auch zahlreiche Gespräche innerhalb der Delegationsteilnehmer bei denen nach Auffassung von Rektor Kaiser ganz deutlich wurde, dass zwei betriebswirtschaftliche Kennzahlen mittelständischer Unternehmen mit „eingebauter Wachstumsgarantie“ der Erfahrungszuwachs und die Zunahme interkultureller Kompetenz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind. Dieser strategische Vorteil kann u.a. durch die zielgerichtete Zurverfügungstellung von Praktikumsplätzen für Studierende an Fachhochschulen und die gemeinsame Entwicklung von Projekten zwischen mittelständischen innovativen Unternehmen und Fachhochschulen initiiert werden.

„Ich würde mich sehr freuen, wenn es die Unternehmen und Verbände dem Ministerpräsidenten und der Landesregierung gleichtun würden und uns Fachhochschulen zukünftig im doppelten Wortsinne mit auf Ihre Reisen in andere Länder und Kulturen nehmen“, betont Bastian Kaiser, „dies liegt zweifellos im beiderseitigen Interesse.“

Pressemitteilung der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg



© www.hochschulnachrichten.com   Sonntag, 31. Mai 2009 13:42 c.kexel

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