Technische Universität Chemnitz: Sie bezeichnet sich selbst als die größte Ausstellung rund um Faserverbundwerkstoffe in Europa - die JEC Composites Show in Paris. Vom 24. bis 26. März 2009 sind hier am Gemeinschaftsstand des Deutschlandjahres auch Wissenschaftler der TU Chemnitz vertreten. Die Professuren Fördertechnik sowie Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung stellen sich am Stand S32 vor. Cetex präsentiert sich gemeinsam mit dem Forschungspartner KARL MAYER Malimo am Stand T27.
Synthesefasern statt Stahlseilen.
Die Chemnitzer Wissenschaftler der Professur Fördertechnik forschen am
Einsatz von hochfesten und dabei sehr leichten Zugmitteln aus
Synthesefasern, die Stahlseile ersetzen können. Das Projekt InnoZug wird
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung seit Juli 2006 bis Juni
2011 mit 2,4 Millionen Euro im Rahmen der Innovationsinitiative
"Unternehmen Region" mit "InnoProfile" gefördert wird. Die untersuchten
Materialien finden bisher hauptsächlich in der Schifffahrt Anwendung. "Wir
möchten die Materialien auch in der Fördertechnik nutzen. Der Unterschied
zum klassischen Faserseil besteht darin, dass die Seile nicht nur hohe
statische Belastungen ertragen, sondern kontinuierlich gebogen und
umgelenkt werden", zeigt Projektleiter Markus Michael den
Forschungshintergrund auf. In der bisherigen Projektlaufzeit haben die TU-
Wissenschaftler vor allem eine umfangreiche Prüftechnik entwickelt, gebaut
und die synthetischen Materialien auf ihre Eigenschaften getestet. Nach der
systematischen Untersuchung steht die Entwicklung modifizierter
Herstellungsverfahren auf dem Plan, mit dem Ziel, die Eigenschaften für das
neue Einsatzgebiet zu optimieren. Außerdem werden neue Produkte
generiert und Sensorik in die Seile eingearbeitet. Durch sie können die Seile
ständig überwacht werden. "Auf der JEC zeigen wir bereits gängige Seile als
Anschauungsmaterial sowie ein von uns neu entwickeltes Seil mit
eingearbeitetem Sensor, das noch nicht Stand der Technik ist", berichtet
Projektmitarbeiter Jens Mammitzsch.
Tasten ohne Tasten
Gleich vier Innovationen führt die Professur Strukturleichtbau und
Kunststoffverarbeitung auf der JEC vor: einen Sticksensor, ein elektrisches
Gaspedal, ein Steuerungssystem mit Touchsensor sowie eine PKW-Tür mit
Flachsverstärkung. Wo aus Bewegungen Signale abgeleitet werden sollen,
kommen zurzeit häufig klassische Dehnungsmessstreifen zum Einsatz. Im
Leichtbau müssen diese von Hand aufgetragen werden, Massenproduktion
ist nicht möglich. Die Chemnitzer Forscher entwickelten den weltweit ersten
Sticksensor in Leichbauverbundstrukturen. Im Leichtbau werden Textilien -
ob Vliese, Gewebe aus Glasfasern oder andere innovative
Faserverbundwerkstoffe - als Verstärkungsmaterial eingesetzt. Direkt in
dieses Textil sticken die TU-Wissenschaftler einen Draht ein, der als Sensor
dient. Eingesetzt werden kann der Sticksensor überall, wo aus Bewegungen
Signale gewonnen werden sollen. Vorteile: Das Endprodukt besteht aus
weniger Bauteilen und somit sind auch weniger Teile von Verschleiß
betroffen. Auch die Montagevorgänge werden weniger, die
Herstellungskosten sinken. Diese Argumente gelten auch für das
elektronische Gaspedal, das die TU-Wissenschaftler auf der Messe
präsentieren. Dieses besteht aus lediglich drei Teilen - neben Gewicht
werden dabei auch Kosten gespart, und das bis zu 50 Prozent. Auch hier
wird die Sensorik direkt in das Festkörpergelenk integriert. Gerade in der
Entwicklung an der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung
befindet sich der Touchsensor. "Das ist ein Drahtsensor, der in einer
Faserverbundstruktur integriert ist", erklärt Prof. Dr. Lothar Kroll, Leiter der
Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung. "Er hat keine
Tasten, lässt sich aber durch Berührung steuern - man kann also tasten
ohne Tasten", ergänzt Jörg Kaufmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der
Professur. "Diese Konfiguration bezeichnen wir als Direct Material Control-
System, denn das Signal wird direkt im Faserverbund generiert", sagt Holg
Elsner, Fachgruppenleiter Aktive Werkstoffe und Verbundstrukturen. Schon
näher an der Serienreife ist eine Fahrzeuginnenverkleidung aus
nachwachsenden Rohstoffen. Dabei bedienen sich die Wissenschaftler nicht
nur der herkömmlichen Fasern aus Hanf und Flachs, sondern des
kompletten Pflanzenstängels, wodurch die Kosten drastisch gesenkt werden.
In Paris wird eine PKW-Tür der Firma Polytec Automotive GmbH & Co. KG
für den 1er-BMW mit derartiger Flachsverstärkung, ausgestellt. Ein weiteres
Highlight der Professur ist eine intelligente Heckklappe in Spritzgießtechnik,
die in Kooperation mit KraussMaffei entwickelt wurde und auf dem Stand
U39 ausgestellt wird.
Bauteile für jede Belastung
Außerdem präsentiert sich die Cetex Institut für Textil- und
Verarbeitungsmaschinen gemeinnützige GmbH an der TU Chemnitz auf der
JEC mit Lösungen für die effektive Fertigung von Strukturen für
Faserverbundbauteile. Cetex stellt Ergebnisse aus drei Forschungsprojekten
vor. Für die konturnahe Fertigung von textilen Bauteilen mit Hilfe bionischer
Faserstrukturen und mit belastungsgerechter Verstärkung von
Multiaxialgelegen direkt im Herstellungsprozess wurde am Institut eine neue
servomotorische Versuchseinrichtung entwickelt. Außerdem entwickelten die
Forscher des Cetex Instituts Hybridwerkstoffe aus thermoplastischem
Prepreg, die sich kontinuierlich herstellen und zu multidirektionalen
Strukturen für Faserverbundbauteile weiterverarbeiten lassen. Die dünnen
Halbzeuge werden durch Fasern aus Glas und Carbon verstärkt. Für die
Erzeugnisse meldeten die Wissenschaftler die Wortmarke "Ce-Preg" an.
Außerdem stellt Cetex ein Verfahren vor, bei dem endlose Carbon- oder
Glasfasern zu so genannten trockenen UD-Bändern mit einstellbarem
Flächengewicht und Bandbreite ausgebreitet werden.
Anwendungsmöglichkeiten für die Entwicklungen des Cetex Instituts finden
sich in der Luft- und Raumfahrt, bei Windenergieanlagen, im Automobil- und
Fahrzeugbau, Boots- und Sportgerätebau sowie in Architektur und
Bauwesen.
Pressemitteilung der Technischen Universität Chemnitz