Auf dem Fundament von 3000 Jahren Literaturgeschichte

Das Lexikon literarischer Symbole

Die Augsburger Literaturwissenschaftler G. Butzer und J. Jacob legen bei Metzler ein Standardwerk zur Textinterpretation vor.

Augsburg/CW - Ein umfassendes Lexikon zu literarischen Symbolen für den deutschen Sprachgebrauch hatte bislang gefehlt. Diese Lücke für schlüssige Textinterpretationen schließen nun die beiden Augsburger Literaturwissenschaftler Günter Butzer und Joachim Jacob als Herausgeber des Standardwerks Metzler Lexikon literarischer Symbole". Das Lexikon versammelt die wichtigsten Symbole der europäischen Literatur und zeichnet ihre Geschichte anhand von exemplarischen Belegstellen von der Antike bis in die Gegenwart nach. 400 Volleinträge verweisen auf Grundbedeutungen des Symbols mit seinen jeweiligen Bedeutungstransformationen. Ausschlaggebend für die Aufnahme eines Symbols war dessen Wirkungsmächtigkeit innerhalb der literarischen Rezeption.

Symbole aus 3000 Jahren Literaturgeschichte

Wie die Herausgeber betonen, wird mit dem Lexikon keine Vollständigkeit der Symbole und auch nicht der Belege angestrebt. Vielmehr geht es um eine Auswahl der wichtigsten und d. h. verbreitetsten Symbole der deutschen und europäischen und teils auch außereuropäischen Literaturgeschichte. Die Herausforderung lag in der schier unübersehbaren Fülle des Materials, das sich in fast 3000-jähriger europäischer Literaturgeschichte gesammelt hat. Der Herkunftsbereich ist keineswegs auf Antike und Christentum beschränkt, er umfasst auch seit dem 18. Jahrhundert neu entstandene und moderne technische Symbole.

Die Beutungsgeschichte des jeweiligen Symbols wird anhand von Beispielen seiner literarischen Verwendung dargestellt. Kontinuitäten seiner Bedeutung werden ebenso nachgezeichnet werden wie Variation des symbolischen Gehaltes. Besonderes Gewicht legen die Artikel auf solche Transformationen und auf Umbrüche in der Geschichte eines Symbols, die präzise mit Textbelegen erfasst werden. Kriterium für die Aufnahme eines Symbols war seine Wirkungsmächtigkeit in der literarischen Rezeption. Singuläre, im Wesentlichen nur für einen einzelnen Autor oder spezifischen Text relevante Symbole wurden nicht berücksichtigt.

Anschaubare Zeichen und bedeutende Dinge

Die Herausgeber betonen, dass es nicht um Metaphern oder Metonymien gehe, sondern um "signa visibilia" und "res signifikantes" - anschaubare Zeichen und bedeutende Dinge also. Symbol wird hier verstanden als sprachliche Referenz auf konkrete Dinge, Phänomene oder auch Tätigkeiten, die mit einem über lexikalische Bedeutung hinausweisenden Sinn verknüpft sind. Der zugrundeliegende Literaturbegriff ist weit gefasst. Neben belletristischer bzw. kanonischer Literatur aller Gattungen wurden auch weltliche und religiöse Gebrauchsliteratur, Märchen, Fabeln sowie Unterhaltungs- und Kinderliteratur berücksichtigt. Gerade die Präsenz eines Symbols in verschiedenen Kontexten ist mitunter besonders interessant: gerade hier manifestieren sich mögliche Beutungsnuancen.

Umfangreich, übersichtlich, benutzerfreundlich

Über 170 Experten - darunter zahlreiche aus den Literaturwissenschaften der Universität Augsburg - haben an diesem Lexikon mitgearbeitet. Ein alphabetisches Artikelverzeichnis verweist auf die 400 Volleinträge von Abend bis Mond, von Rabe bis Zypresse. Ein zweites Verzeichnis ordnet die Symbole nach Sachgebieten von Ding über Körper und Tiere bis Zeit. In den Einträgen selbst folgt der knappen Nennung der symbolischen Grundbedeutung eine Auflistung der sachlichen Eigenschaften des Symbols. im Mittelpunkt steht dann die Geschichte des Symbols mit ihren jeweiligen signifikanten Bedeutungstransformationen. Verweise zu verwandten Symbolen und bibliographische Angaben zur Forschung oder zu anderen Lexika runden die Artikel ab.

Günter Butzer/Joachim Jacob (Hg.): Metzler Lexikon literarischer Symbole, Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2008, 443 Seiten, 39,95 Euro, ISBN 978-3-476-02131-1.

Pressemitteilung der Universität Augsburg



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